Stabheuschrecke – Haltung, Pflege und Zucht im Terrarium

Stabheuschrecke – Haltung, Pflege und Zucht im Terrarium

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Stabheuschrecken gehören mit Sicherheit zu den außergewöhnlichsten Insekten. Mit ihrem skurrilen Körperbau und der einzigartigen Fähigkeit, sich perfekt zu tarnen, sind diese Tiere zurecht ein beliebter Bestandteil der Terraristik.

Daher möchte ich dir in diesem Artikel gerne einmal aufzeigen, worauf es bei der Haltung der Stabschrecke ankommt, welche verschiedenen Arten es gibt und worauf du bei der Zucht dieser Insekten achten solltest. 

Optische Merkmale und Besonderheiten von Stabheuschrecken

Stabheuschrecke im Laub

Das wohl markanteste Merkmal der Stabheuschrecken ist ihr langer stockähnlicher Körper. In Kombination mit ihren langen, extrem dünnen Beinen sind diese Tiere in der Lage, mit ihrer Umgebung fast schon zu verschmelzen. 

Je nach Art der Stabheuschrecke kann die Färbung des Körpers von einem tiefen Grün, über ein Braun, Blau, bis hin zu einem Gelb- oder sogar Rotton reichen. 

Welche Stabheuschrecken-Arten gibt es?

Insgesamt werden über 2500 verschiedene Arten von Stabheuschrecken beschrieben. Da diese Tiere zu der Familie der Gespenstschrecken zählen, kommen darunter auch Arten vor, die eventuell weniger an einen Stock erinnern als andere. 

In der Terraristik werden jedoch “nur” rund 300 verschiedene Arten von Stabheuschrecken gehalten. Dabei sind es einige wenige, die vermehrt im „Umlauf“ sind und somit normalerweise gehalten werden. Auf diese Arten beschränke ich mich in diesem Artikel. 

Mit die bekanntesten Stabheuschrecken-Arten, die in der Haltung vorkommen sind Medauroidea extradentata (Annam-Stabschrecke), Ramulus Nematodes (Blaue Thai-Stabschrecke), Ramulus artemis (Vietnam-Stabschrecke), Carausius morosus (Indische Stabschrecke) und Phaenopharos khaoyaiensis (Rotflügelige Stabschrecke).

Wie groß wird eine Stabheuschrecke?

Große Stabschrecke in einem Strauch

Diese Frage pauschal zu beantworten ist relativ schwierig. Wenn man von der größten Stabheuschrecke (​​Phryganistria chinensis) der Welt ausgeht, kann man sagen, dass diese Tiere bis zu 67 Zentimeter lang werden. Allerdings sind die Berichte zu dieser chinesischen Züchtung umstritten. 

Gehen wir von den “normalen” Stabschrecken aus, die wir in der Terraristik halten, so kann man sagen, dass diese eine Größe von etwa 10 bis maximal 17 Zentimeter erreichen. Die Blaue Thai-Stabschrecke (Ramulus Nematodes) ist hierbei der Spitzenreiter in denen von mir vorgestellten Tieren. 

Wie alt können Stabheuschrecken werden?

Stabheuschrecken werden wie viele andere Gespenstschrecken nicht besonders alt. Männchen haben in der Regel auch nochmal eine kürzere Lebenserwartung als Weibchen. 

Geht man jedoch von einem Weibchen aus, so kann man von einer Lebensspanne bis zu 1,5 Jahren ausgehen. Bei den meisten Männchen beträgt die Lebenserwartung, wenn überhaupt, höchstens ein Jahr. 

Stabheuschrecke – Haltung im Terrarium

Rote Stabschrecke hängt am Glas des Terrariums

Wer Stabheuschrecken im Terrarium halten möchte, der sollte natürlich versuchen, deren natürliche Lebensbedingungen so gut es geht nachzustellen. Daher werde ich dir im Folgenden detailliert aufzeigen, worauf es dabei ankommt. 

Die richtige Größe des Terrarium

Die richtige Größe für das Terrarium zu finden, ist an dieser Stelle gar nicht mal so leicht. Dabei kommt es natürlich ganz darauf an, welche Stabheuschrecken-Art du dir zulegen willst. Im Extrembeispiel bräuchte Phryganistria chinensis natürlich ein ganz anderes Terrarium wie beispielsweise die Vietnam-Stabschrecke oder Annam-Stabschrecke. 

Eines ist aber immer besonders wichtig und zwar die Höhe des Terrariums. Für Vietnam-Stabschrecken wäre beispielsweise ein Terrarium mit den Maßen 30x30x40 (LxBxH) Zentimetern ausreichend. Für Ramulus Nematodes (Blaue Thai-Stabschrecke) sollte das Terrarium mit 45x45x60 (LxBxH) Zentimetern etwas größer sein. 

Man kann sich also merken, dass man die Größe des Terrariums etwa auf die potenzielle Größe der Insekten anpassen sollte. 

Temperatur und Luftfeuchtigkeit

Bezüglich der klimatischen Bedingungen verhält es sich bei so gut wie allen Stabheuschrecken in etwa gleich. Oftmals reicht Zimmertemperatur völlig aus. Dabei ist natürlich zu beachten, dass dies nicht die Idealbedingungen der Tiere darstellt und man natürlich vor allem im Winter schauen muss, wie warm der Raum ist, in dem die Tiere gehalten werden. 

Idealerweise sollte es im Terrarium tagsüber etwa 22 bis 27 Grad Celsius haben. Sollte die Zimmertemperatur dafür nicht ausreichend sein, würde ich dir empfehlen, mit einer kleinen Wärmelampe nachzuhelfen. Nachts darf die Temperatur auf bis zu 18 Grad Celsius abfallen. 

Die Luftfeuchtigkeit sollte konstant bei Werten zwischen 70 und 80 Prozent gehalten werden. Das erreicht man normalerweise damit, dass man täglich abends mit einer Sprühflasche lauwarmes Wasser in das Terrarium sprüht. Dabei ist es wichtig, sowohl das Substrat als auch die Einrichtung selbst zu befeuchten. Achte jedoch darauf, die Stabheuschrecken nicht unbedingt direkt zu besprühen. 

Wichtig ist auch, dass das Terrarium eine gute Luftzirkulation aufweist, da sonst durch die hohe Luftfeuchtigkeit Staunässe entstehen kann, was dann wiederum zu Schimmel führt.

Artgerechte Einrichtung für Stabheuschrecken

Die eigentliche Einrichtung für das Terrarium von Stabheuschrecken ist relativ einfach. Dabei kann man den Tieren beispielsweise eine Kork-Rückwand anbieten. Diese hilft beim Klettern und unterstützt dabei, die Luftfeuchtigkeit konstant zu halten. 

Als Bodengrund kann man sich für die einfache oder schöne Variante entscheiden. Die einfache Variante besteht aus Küchenrollen. Tatsächlich reicht es völlig aus, den Boden des Terrariums mit einfachen Küchenrollen-Tüchern auszulegen, da sich die Insekten ohnehin nie am Boden aufhalten. Das erleichtert natürlich erheblich die Reinigung des Terrariums.

Wer es jedoch schöner und etwas naturgetreuer haben möchte, dem empfehle ich Kokoshumus als Bodengrund für Stabheuschrecken. Dieser hat nicht nur einen natürlichen Look, sondern speichert auch wiederum Feuchtigkeit, was dabei hilft, die Luftfeuchtigkeit zu erhalten. 

Jetzt kann man das Terrarium noch mit kleinen Ästen verzieren, die man an den Wänden mit beispielsweise Heißkleber befestigt. 

Futter: Was fressen Stabheuschrecken?

Mit Dornen ausgestattete Stabheuschrecken am fressen

Die Ernährung von Stabheuschrecken ist ebenfalls sehr einfach. Die meisten Arten lassen sich wunderbar mit Brombeerblättern oder Himbeerblättern füttern. Es gibt nur sehr wenige Arten, wie beispielsweise die Peru-Stabschrecke, die sich ausschließlich von Farngewächsen ernährt. 

Da man Brombeerzweige das ganze Jahr über ernten kann,würde ich auf diese Nahrungsquelle zurückgreifen. Dafür schneidest du einfach entsprechend große Äste vorsichtig ab. Wichtig ist, dass sich an diesen Ästen sowohl frische Sprösslinge als auch voll entwickelte Blätter befinden. 

Hierfür würde ich dir eine Rosenschere und stabile Gartenhandschuhe empfehlen. Achte auch darauf, dass du die Äste leicht schräg abschneidest, auf diese Weise können sie besser Wasser ziehen und bleiben somit länger frisch. 

Die benötigte Menge an Brombeerzweigen variiert natürlich. Je nachdem wie groß das Terrarium ist und wie viele Stabheuschrecken du versorgen musst. 

Jetzt kannst du die abgeschnittenen Brombeerzweige in eine Vase oder ein Glas mit Wasser stellen und das Ganze im Terrarium unterbringen. In der Regel brauchen die Tiere wöchentlich neues Futter. Auch das hängt natürlich auch davon ab, ob bereits alle Blätter abgefressen sind, oder ob die Zweige anfangen zu welken. 

Vergesellschaftung: Kann man diese Insekten zusammen halten?

Um die Frage kurz und knapp zu beantworten: Ja, kann man!
Stabheuschrecken lassen sich problemlos in kleineren Gruppen zusammen halten. Hierbei sollte natürlich immer auf entsprechend viel Platz und ein ausreichendes Nahrungsangebot geachtet werden. 

Zucht: Das sollte beachtet werden!

Paarung von zwei Stabschrecken

Wer jetzt denkt, dass es schwierig ist, Stabheuschrecken zu züchten, der irrt sich gewaltig. Tatsache ist nämlich, dass die meisten Stabheuschrecken zur Parthenogenese fähig sind. Das bedeutet im Grunde, dass sich die Weibchen ohne ein Männchen fortpflanzen können. 

Und hier kann ich nur eine kleine Warnung aussprechen. Die Vermehrung kann wirklich rasant schnell passieren. Ein Weibchen kann in seinem Leben mehrere hundert befruchtete Eier legen. Wenn diese schlüpfen und weitere Eier legen, kann die eigene Population an Stabschrecken schnell außer Kontrolle geraten. 

Als ich noch jung war, habe ich diese Erfahrung mit Annam-Stabschrecken machen dürfen. Ich habe sogar die ersten Eier absichtlich inkubiert, was sich als Fehler herausgestellt hat. Anschließend hatte ich hunderte kleiner Stabschrecken, die rasant schnell gewachsen sind und wieder neue Eier gelegt haben. Ich bin der ganzen Sache nur Herr geworden, indem ich Unmengen dieser Tiere an Echsenhalter abgegeben habe, die sie dann verfüttert haben.

Man muss an dieser Stelle natürlich betonen, dass dies nicht für alle Stabheuschrecken-Arten gilt. Es gibt durchaus Arten, die keine derart hohe Reproduktionsrate haben.
Wer an der Stelle jedoch seinen Bestand halten möchte, sich also an der Aufzucht versuchen will, dem empfehle ich ein paar Eier bewusst zu inkubieren. Den Rest der Eier kannst du wöchentlich aus dem Terrarium sammeln und in die Kühltruhe legen. Damit werden sie human abgetötet und du verlierst nicht die Kontrolle über deinen Bestand. 

Wo kann man Stabheuschrecken kaufen?

Die meisten Zoofachgeschäfte führen heutzutage so etwas wie Stabheuschrecken nicht mehr. Wer diese Tiere also kaufen möchte, sollte dies im Internet oder auf Terraristikmessen machen. 

Es gibt viele verschiedene Foren, Facebook-Gruppen und auch Whatsapp-Gruppen, in denen die Tiere gehandelt und getauscht werden. Dort wirst du mit Sicherheit fündig werden. 

Fazit: Ist die Haltung von Stabheuschrecken für Anfänger geeignet?

Zum Schluss möchte ich natürlich noch darauf eingehen, ob ich der Meinung bin, dass die Haltung von Stabheuschrecken etwas für Anfänger oder sogar für Kinder ist.
Und diese Frage kann ich definitiv mit “ja” beantworten. 

Klar kommt es darauf an, welche Art der Stabheuschrecken man sich zulegt. Es gibt auch einige, wie beispielsweise die Peru-Stabschrecke, die etwas komplizierte Bedürfnisse hat. Hält man sich jedoch an die „normalen“, stellt die Haltung weder für Anfänger noch für Kinder unter Anleitung ein Problem dar. 

Wenn du dich für die Haltung von Wandelnden Blättern interessiert, dann schau dir gerne diesen Artikel dazu an:

Ich freue mich, wenn ich dir in diesem Artikel die Haltung von Stabheuschrecken etwas näher bringen konnte. Wenn du noch Fragen haben solltest, zögere nicht und schreib mir gerne einen Kommentar.

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